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alpi-ticinesi.ch > allgemein
Für
die Begehung der beschriebenen Routen ist eine gute physische wie psychische
Konstitution des Berggängers
absolut unerlässlich! Den Autor dieser Website erreichen immer
wieder Beschwerden,
die sich mit den beschriebenen Routen überfordert sahen, daher:
Diese Website beschreibt keine Wanderungen, sondern alpine
Unternehmungen für erfahrene Personen! Weder befähigt
die erfolgreiche Besteigung eines Viertausenders noch das Begehen
des Trekking del 700° oder gar der Strada Alta zum Begehen manch
vorgestellter Route. In den Routen der obersten Schwierigskeitsgrade
der T-Skala
finden sich
nur
Leute
zurecht,
die
jede Art von Gelände
beherrschen und
äusserst trittsicher sind. Es sind dies die letzten
Orte,
wo nur der echte Berggänger die vorgesehene Tour zu Ende
führen
wird. Es reicht nicht aus, Alpinist zu sein und offensichtliche
Routen begangen zu haben, um die teilweise enormen Schwierigkeiten
jeder Art in Angriff nehmen zu können. So manche Route ist auf
dieser Website beschrieben, ohne dass ihre Begehung empfohlen werden
kann, dies
wegen des besonderen
Geländes. (nach Maurice Brandt) - Alle
Angaben auf dieser Website beruhen auf persönlicher Begehung der
beschriebenen Routen und wurden in jahrelanger Arbeit sorgfältig
recherchiert und bei Bedarf aktualisiert. Es handelt sich jedoch um
unverbindliche Ratschläge und Empfehlungen, für deren Richtigkeit
keinerlei Haftung übernommen wird.

Die Ruine von Pian Forno im Val d'Ambra
Foto: Manuel Haas
Tessiner
Bergwege
Jedes Jahr müssen die Tessiner Rettungskolonnen aufgeboten werden, um
Touristen zu bergen, die sich in den Tessiner Tälern verirrt haben.
Eine Analyse der Situation drängt sich deshalb geradezu auf. Beginnen
wir mit dem Ursprung der Wege:
- Einst
(seither sind Jahrzehnte vergangen) wurden die Tessiner Berge von den
Bauern bis in den Bereich des entferntesten,
ertragsärmsten, grasbedeckten Quadratmeters genutzt. Wege gab es viele
und sie waren in gutem Zustand.
- Bergwege
sind (auch wenn sie meisterhaft geplant und in harter,
fantasievoller Arbeit in Brücken und Steintreppen angelegt wurden) der
Lawinen, Rutschungen und Überschwemmungen wegen einem steten Zerfall
unterworfen. Viel begangene Wege werden mit gezielten, auch
kostspieligen Arbeitseinsätzen ausgebessert und unterhalten.
- Wenig
begangene Wege zeichnen sich im Gelände mit einer nur
schwachen Spur ab. Sie sind dort gut, wo die vielen Begehungen von
Mensch und Tier in vergangenen Zeiten einen Graben hinterlassen haben;
mässig gut in gewissen Wäldern, wo das Wasser und die Rutschungen ihr
zerstörerisches Werk noch nicht vollenden konnten. Die Wegspur wird
dort schlecht oder überhaupt nicht mehr sichtbar sein, wo eine üppige
Vegetation (Gras, Farnkraut, Buschwerk etc.) vorherrscht, besonders
auch auf ehemaligen, noch nicht vom Wald in Besitz genommenen Weiden.
Um hier die Route nicht zu verlieren, ist grosse Vorsicht und
aufmerksames Beobachten des Geländes vonnöten.
- In
gewissen, kargen Tälern, in die sich nur vereinzelte
Ortskundige (Jäger oder andere Menschen, die das Abenteuer suchen)
"verirren", sind die Wege vollends verschwunden. Die Ränder der Wege
sind eingebrochen und die Wegspuren von Trümmern jeder Art übersät.
Geblieben sind da und dort ein Mäuerchen, eine Stiege, in den Fels
gehauene Tritte oder ein Drahtseil, das den Älplern den Durchgang
erleichterte.
Nachfolgend das Wesentliche, dessen sich
der Bergsteiger voll bewusst sein muss, wenn er das Gebiet der Tessiner
Alpen betritt:
- Die
Hütten und leicht erreichbare Ziele, auf
welche im Gelände mit den bekannten Wegweisern hingewiesen wird, sind
in der Regel durch ausgeprägte Naturwege erschlossen.
- Anderenorts
sind die Wege - auch wenn sie auf der Landeskarte eingezeichnet sind
- nicht immer
gut erkennbar und
unter Umständen in schlechtem Zustand. Des hohen Grases wegen ist im
Sommer die Beschaffenheit dieser Pfade noch schlechter. In solche
Gebiete begebe sich nur, wer erfahrener Bergwanderer ist; auch er
eventuell in Begleitung und selbstverständlich mit angepasster
Ausrüstung, darunter Landeskarte, Kompass und Höhenmesser. Dabei ist
mit zeitweisem Abkommen vom Weg zu rechnen. Dies bedingt, dass der
Bergwanderer sich in solchen Situationen zurechtzufinden weiss und
innerlich bereit ist, auf der Suche nach dem Weg wieder kehrtzumachen,
auch wenn daraus ein Höhenverlust von Hunderten von Metern entstünde.
Wichtig: Sofern man den Weg verloren hat, auf keinen Fall in Panik
geraten und nicht darauf beharren, in Richtung offensichtlich
unwegsamer, auswegloser Örtlichkeiten und ohne geringste Pfadspuren
weiterzugehen, dies besonders im Abstieg nicht. Jeder Bergwanderer soll
im weitern fähig sein, die Landeskarte 1:25000 (ein topographisches
Meisterwerk) zu lesen und ihr Bild in die Wirklichkeit umzusetzen. Die
geschilderte Situation bezüglich der Bergwege ist entstanden, weil die
Bergbevölkerung seit Jahrzehnten auf die Nutzung der Berghänge
verzichtet und weil gewisse, weniger bekannte Routen nur noch selten
begangen werden. Wer die fantastische Welt der Tessiner Berge
(insbesondere des untern und mittleren Tessins) erleben will, muss sich
damit abfinden.
- In
gewissen, vergessen gegangenen Tälern finden
sich praktisch keine Wege mehr, höchstens vielleicht Reste alter
Weganlagen, Steintreppen usw. Das Bundesamt für Landestopographie
verzichtet in diesen Fällen auf die Eintragung von Wegen auf der
Landeskarte. In solche Gebiete sollen sich nur Bergsteiger wagen, die
sich auf eine entsprechende, spezielle Erfahrung stützen können, ausser
sie befänden sich in Begleitung eines erprobten Gebietskenners. Die
Bereiche zwischen den Talsohlen und der Waldgrenze, mit Hunderten von
Metern Höhendifferenz, sind hier Labyrinthe mit einer unglaublichen
Ballung von Hindernissen, wie Runsen, Wänden und Schluchten.
Diesbezüglich ist zu sagen, dass man sich in den Gebieten unterhalb der
Waldgrenze nie blindlings auf die ansonsten ausgezeichnete Landeskarten
verlassen soll: Die Karten werden auf der Basis von Luftaufnahmen
erstellt, die in Zeiten üppiger Vegetation gemacht werden. Die Blätter
der Bäume verleihen dem Gelände ein gleichförmiges Aussehen und können
dabei bedeutende Felsstufen verdecken. Was auf der Landeskarte als
regelmässiger, bewaldeter Hang eingezeichnet ist, kann in solchen
Fällen in Wirklichkeit ein unglaubliches Durcheinander von Terrassen,
Tälchen und Felsgürteln sein.
- Der
Bergwanderer kann nicht mit dem Vorhandensein von Wegen über der Waldgrenze (in der Regel auf ca 1900m,
doch hängt dies von der Hangrichtung, dem Breitengrad usw. ab) rechnen.
Die Sicht und die Orientierungsmöglichkeiten sind hier im allgemeinen
gut. Man muss sich indessen bewusst sein, dass die Tessiner Alpen in
den warmen Monaten leider häufig in Nebel gehüllt sind; auch bei
Begehung einfacheren Geländes muss man deshalb die Fähigkeit besitzen,
sich jederzeit orientieren zu können.
Giuseppe
Brenna beschreibt die vorhandene Situation sehr zutreffend. Ähnliches
gilt auch für das Val Grande, obwohl die Verhältnisse dort insgesamt
ein wenig einfacher sind. Neben der obligatorischen aktuellen Ausgabe der
Landeskarte 1:25'000, die die tatsächliche Wegesituation in der Regel sehr
zuverlässig widergibt, kann es für den Experten ratsam sein, sich anhand
alter Karten (z.B.
die Landeskarte 1:50'000 aus den 1950er Jahren) auch über
den früheren Verlauf von heute praktisch nicht mehr existenten Wege
kundig zu machen. Neben dem obligatorischen Höhenmesser und Kompass ist ein
GPS-Gerät meist wenig hilfreich, da das Gelände oft kleinräumig zerklüftet
ist. Um die im Gelände
anzutreffenden Schwierigkeiten zu kategorisieren, wird auf dieser Website
die neue T-Skala des SAC verwendet.

Im Val d'Iragna
Foto: Manuel Haas
Wer im Winter in die beschriebenen Gebiete vordringen möchte, ist
meistens mit Schneeschuhen besser gerüstet, als mit Ski. Sie sind im
steilen Gelände unterhalb der Waldgrenze deutlich wendiger und
flexibler einsetzbar. Auch entstehen überraschenderweise kaum
Zeitverluste sowohl im Auf- als auch im Abstieg gegenüber dem Einsatz
von Ski. Man wähle in jedem Fall ein alpintaugliches Modell mit
Steighilfe und guten Harscheisen (z.B. MSR Denali Ascent oder
TSL 225/325)
und führe ein kleines Notfall-Reparaturset mit.
Auf
entsprechende Wintertouren sollte nur derjenige gehen, der im Sommer
schon umfangreiche Erfahrungen mit den Schwierigkeiten
des
Geländes der Tessiner Alpen gesammelt hat. Die Gefahr von vereisten
Passagen, auch auf Wegen, und besonders dann, wenn wenig oder kein
Schnee liegt, darf nicht unterschätzt werden. Es ist oft ratsam,
Steigeisen und Pickel mitzuführen. Dies neben der obligatorischen
Ausrüstung wie LVS, Schaufel und Sonde.
In Italien (Piemont) sind LVS, Schaufel und Sonde gesetzlich vorgeschrieben,
Strafen bis EUR 250.
Poncione
di Braga, 28.März 2004
Foto: Manuel Haas
Militärische
Gebietssperrungen
In vielen alpinen Regionen der Schweiz führt die Armee zeitweise
Schiessübungen
durch. Die betroffenen Sektoren werden durch Schiesswachen und angeschlagene
Schiessanzeigen gesperrt, die Benutzung einzelner Wege oder der Durchgang
durch bestimmte Zonen ist dann untersagt, und man hat sich unbedingt daran
zu halten. Vermehrt betroffen sind insbesondere das Val
Sambuco, das Val
Bedretto, die Leventina, das Val
Canaria, die Piora, das Val
Cadlimo, das
Valle Santa Maria, das Valle
di
Campo Blenio und die Regionen um den San-Bernardino-Pass
und den Monte Ceneri. Für die Tourenplanung, namentlich an Werktagen
ausserhalb der Ferienzeit - in
der
Regel findet an
Wochenenden
und Feiertagen
kein Schiessbetrieb
statt -, empfiehlt sich stets die vorgängige Erkundigung über
militärische Sperrungen.
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