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Bocchetta di Valfredda
 



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Am 19.April 2005 ging ein Bergsturz ins Val Nibbio nieder. Zwar ist seine Übersteigung ohne besondere technische Probleme möglich, doch ist dies mühsam. Zudem ist der Abschnitt bis zum Beginn des Bergsturzes mangels Begehungen in den letzten Jahren sehr dornig geworden. Aus diesem Grund sei die im folgenden Route von Cuzzago über den Sasso Grande empfohlen, die den Bergsturz meidet. Wer dennoch von Nibbio durch das Valle di Nibbio gehen möchte, findet diese Route hier beschrieben.

Am 20./21.November 2004 bzw. 18.Mai 2010 begangene Route. Es handelt sich um eine alpine Unternehmung, und keinesfalls um eine Wanderung! Die alten Wege sind auf der Valfredda-Seite praktisch komplett verschwunden.
Aus gegebenem Anlass folgende zusätzliche Hinweise: Eine gute physische und psychische Konstitution des Alpinisten ist unerlässlich. Eine entsprechende Ausrüstung einschliesslich Biwakmaterial ist unabdingbar. Wer Zweifel an seinen diesbezüglichen Fähigkeiten oder der Qualität seiner Ausrüstung hat, der nehme Abstand von dieser Unternehmung!
Biwakplätze im Flussbett dürfen nur bei absolut sicheren Verhältnissen bezogen werden! Bei Gewittern muss das Flussbett zwingend sofort verlassen werden!


Anreise

Cuzzago liegt an der Strasse von Premosello nach Mergozzo. Die Regionalzüge der Relationen Domodossola - Novara und Domodossola - Milano halten im Bahnhof von Cuzzago.

Valle di Nibbio
Valle di Nibbio, Bocchetta di Valfredda, vom Sasso Grande, 18.Mai 2010


1. Etappe: Cuzzago - Sasso Grande (T3; 1:45)


Von Cuzzago folgt man den Wegweisern zur Linea Cadorna in Richtung des nordöstlichen Dorfrandes und überquert schliesslich auf einem Steg den Rio dei Mulini. Jenseits steigt man auf einem schuttigen Pfad geradewegs den Hang hinauf. Nachdem man eine Kaverne der Linea links liegengelassen hat, folgt man einem weissen Pfeil auf einem wenig ausgeprägten Pfad nach rechts in den Wald hinein und erreicht in Kürze die breit ausgebaute Strasse der Linea Cadorna in ihrer fünften Kehre (Die Strasse hat ihren Ausgang in der Nähe von P.207 westlich von Nibbio). Man folgt der Strasse drei Kehren weiter, und findet dort einen deutlichen roten Pfeil, der auf den Beginn des Pfades zum Sasso Grande weist. Er führt zunächst waagrecht zum Riale Balangeri und folgt ihm einige Dutzend Meter aufwärts, bevor er nach rechts abschwenkt und über den Rücken zwischen Riale Balangeri und Riale Pianezza an Höhe gewinnt. Dabei wird der durchweg orange markierte Pfad gelegentlich von dornenreicher Vegetation bedrängt. Sobald die Dornen nachlassen, beginnt der Pfad - nun deutlicher ausgeprägt - gegen den stets ausgetrockneten Riale Pianezza (Wasser meist 30m oberhalb verfügbar) zu traversieren, um am jenseitigen Ufer steil anzusteigen. Man achte nun sorgsam auf den Verlauf der orangen, ab 650m roten Markierungen, die über den einstigen Pfad den Sasso Grande wenig oberhalb von P.818 (Landeskarte) erreichen, wo die Route von Nibbio zum Sasso Grande einmündet. Eine Felsstufe überwindend erreicht man schliesslich die Ruinen der Alp auf dem Sasso Grande (P.892, Karte IGM). Kurz zuvor geht man an der aussichtsreichen Kuppe P.878 (Karte IGM) vorbei, mit instruktiver Sicht ins Valle di Nibbio und den Resten eines Holzkreuzes.


2. Etappe: Sasso Grande - Balma della Vecchia (T5+; 1:15)


Sentiero
Sentiero Sasso Grande - Valle di Nibbio, 18.Mai 2010

Unterhalb der nordöstlichsten Ruine der Alp bei P.892 findet man den Beginn des Pfades ins Valle di Nibbio. Man folgt ihm waagrecht bis zu einem Felsband, wo er weggebrochen ist. Man umgeht die Stelle 20m oberhalb und kehrt auf das Pfadtrassee zurück, das in Kürze die schwach sichtbaren Reste einer Plattform unter einer Felswand erreicht, wo die Weganlage undeutlich wird. Etwas absteigend gelangt man auf eine ausgesetzte abfallende Rampe, die zu einer Rippe führt (Steinmann). Über eine steile Wiese steigt man noch etwas weiter ab, und gelangt zu einer sehr ausgesetzten, felsigen Passage, die mit Seilen gesichert ist. Man überwindet die Stelle mit Vorsicht und trifft im Anschluss wieder auf einen deutlichen Pfad, der bis zu einer Ruine traversiert. Nach Überschreitung einer Rinne beginnt der Pfad wieder anzusteigen (orange Markierungen), überquert eine Rippe und führt schliesslich - anfänglich wenig offensichtlich - über ein eindrückliches Band in einer senkrechten Felswand. Am Ende trifft man auf einen Steinmann, wo die Wegfortsetzung nicht eindeutig ist. Leicht abwärts traversierend findet man die Fortsetzung und gelangt auf einen Rücken (Steinmann), wo erneut keine Fortsetzung erkennbar ist. Nun leicht ansteigend passiert man ein Bändersystem, eine heikle ausgesetzte Stelle und erreicht schliesslich eine Stelle ca 20m oberhalb des Mastes mit der Solaranlage, die das Überwachungssystem des Bergsturzes mit Energie speist. Auf gut erkennbarer Wegspur steigt man über steile Wiesen in den Talgrund des Valle di Nibbio, den man etwa 20m oberhalb des oberen Randes des Bergsturzes und 50 Meter nördlich des Solarmastes erreicht (Steinmann, schöner Rastplatz, ca 780m). Begeht man die Route in umgekehrter Richtung so orientiere man sich am Solarmast. Am orografisch rechten Ufer des Rio Nibbio findet man nun einen eher guten Pfad, der, rot markiert, an Höhe gewinnt. Nach Passage einer felsigen Stufe in einem Sekundärbach, wird der unmittelbare Talgrund verlassen, und man steigt in erkennbaren Kehren zur Balma della Vecchia, ca 970m, hinauf.

Balma della Vecchia
Balma della Vecchia, 18.Mai 2010


3. Etappe: Balma della Vecchia - Bocchetta di Valfredda (T4; 2:00)


Von der Balma folgt man einem vorzüglichen Pfad zurück zum Rio Nibbio und folgt entlang roter Markierungen dem Schluchtgrund. Später nimmt man in der Ostwand des Pizzo Proman, in der Nähe einer Felsnadel, die noch intakte hohe Stütze der einstigen Seilbahn Nibbio - Bocchetta di Valfredda - In la Piana wahr. Im weiteren Verlauf stösst man im Grund des schluchtartigen Tobels immer wieder auf Holz- und Eisenreste dieser Seilbahn. Ohne Probleme erreicht man schliesslich die tiefe Einkerbung der Bocchetta di Valfredda, wo die Markierung endet. Der Sattel ist eingeebnet, und zu den Talflanken hin mit Mauern gestützt. Darauf befinden sich die Fundamente der einstigen Seilbahn. Nötigenfalls lässt sich hier problemlos biwakieren, Wasser steht jedoch nicht zur Verfügung. Von der Bocchetta lässt sich der Pizzo del Lesino besteigen, die Schwierigkeiten sollten sich - aufgrund eines Augenscheins von der Bocchetta aus - um II/III bewegen. Der Aufstieg auf den Pizzo Proman stellt hingegen grössere Schwierigkeiten in den Weg, umfangreiche nordseitige Umgehungen werden dafür notwendig.

Bocchetta di Valfredda
Bocchetta di Valfredda, 20. November 2004



4. Etappe: Bocchetta di Valfredda - Lancone di Valfredda - In la Piana (T5+; 8:00)

Von der Bocchetta findet sich anfänglich noch ein Pfad mit Schnittspuren an den Erlen, er hält sich an die orografisch linke Berandung des Tales. So erreicht man in Kürze einen Biwakplatz unter einem einzelstehenden Felsen mit einem Mäuerchen. Wenig tiefer liegt - im Erlendickicht verborgen - die Ruine von Corte di Cima. Von links mündet ein Sekundärtobel ein, bei der Vereinigung mit dem Val Fredda bildet es gemeinsam mit letzterem eine ca 40m hohe Wand. Die Stelle wird wie folgt überwunden: Vom Biwakplatz steigt man nicht weiter ab, sondern traversiert anhand von Schnittspuren gegen das Sekundärtobel. Vor diesem angelangt, steigt man - am Anfang über eine 3m hohe Felsstufe - soweit auf, bis sich durch Erlen und zwischen plattigen Felsabsätzen hindurch der Tobelgrund erreichen lässt. Folgt man indessen weiter den Schnittspuren, so sollte man - anspruchsvoll - durch das Val d'Egher gegen den Pizzo Proman gelangen. Im Grund des Sekundärtobels angelangt, traversiert man aus diesem gleich wieder heraus und steigt über den begrenzenden Rücken ab. Die letzten Meter in den Grund des Val Fredda werden über ein rampenartiges Band überwunden und erfordern einige wenige Kletterschritte. An dieser Stelle, ca 1440m - oder etwas tiefer - lässt sich recht bequem biwakieren, Wasser vorhanden. Teresio Valsesia empfiehlt hingegen diesen gesamten Abschnitt auf der orografisch rechten Flanke zu überwinden.

Val Fredda
Val Fredda von der Bocchetta, genau in Bildmitte die Cima Loviga und In la Piana, 20. November 2004

Val Fredda

Val Fredda, Blick von ca 1420m zurück in die Bocchetta, 21. November 2004

Man steigt nun weiter im Grund des Val Fredda ab, und zwar soweit bis die Begehung schwierig werden würden. Man verlässt das Tobel nach links, und steigt durch einen Erlenwald - parallel zum Tobel - weiter ab. Bald wird eine Ruine erreicht. Von links mündet erneut ein Sekundärtobel ein, das bei der Vereinigung mit dem Haupttal erneut eine hohe senkrechte Wand bildet, das Bachbett ist dort auf einer Höhendifferenz von 60m ungangbar. Die Überwindung dieser Stelle ist der Schlüssel der gesamten Begehung. Es bestehen folgende zwei Möglichkeiten:

1) Orografisch rechts (T5+): Man überquert den Rio Valfredda unmittelbar über dem Wasserfall, der über die Wand stürzt. Jenseits steigt man zuerst 5m nach links auf, um auf eine nach rechts ziehende Rampe zu gelangen. Über die Rampe mit Trittspuren soweit hinauf bis man über steiles Gras erneut nach links aufwärts traversieren kann. Von hier quert man - nun absteigend und sehr exponiert - weiter die orografisch rechte Flanke. Dabei finden sich Trittspuren, alte verblasste Markierungen und Reste einer Weganlage. Im Anschluss gelangt man in einen wenig steilen Buchenwald, durch den man, eine weitere Ruine passierend, gerade hinunter steigt. Auf einem Vorsprung über dem Rio Valfredda angelangt entdeckt man ein kurzes Band, das den Abstieg in den Tobelgrund zulässt. Man erreicht den Rio Valfredda genau an der Stelle, an der gegenüber die felsige Rampe ansetzt, mit der sich die beschriebenen Varianten wieder vereinigen.

2) Zwischen den Tobeln (T5): Wenig über der abschliessenden Felswand sucht man den Rand des Sekundärtobels ab, und entdeckt, anhand von Tierspuren, ein kühnes Band, das die senkrechte Begrenzungswand des Sekundärtobels durchschneidet. Nach einigen Metern Abstiegs gelangt man auf jenes Band, welches sich nach rechts (flusswärts) der Wand anschmiegt. Auf Pfadspuren begeht man das exponierte Band bis in den Grund des Sekundärtobels, steigt zuerst durch dieses, dann durch den Grund des Val Fredda ab, soweit bis dieses deutlich steiler wird. Dort setzt orografisch links eine felsige Rampe an.

Man befindet sich nun ungefähr an jener Stelle, wo das auf der Landeskarte gut erkennbare Seitental vom Pizzo Proman einmündet. Tatsächlich aber ist das Gelände viel zerklüfteter und es bestehen deutlich mehr Seitentäler und -tobel als die Karte es vermuten liesse. Die Orientierung in dieser Zone gestaltet sich - ganz besonders im Aufstieg - recht schwierig. Es ist wichtig zu wissen, dass der Rio Valfredda stets der am östlichsten gelegene Bachlauf ist.

Man steigt nun über die bereits erwähnte felsige Rampe, auf der sich die Überreste des alten Pfades befinden, in den darüber liegenden Buchenwald. Kurz darauf trifft man auf die fünf Ruinen der 'Stazione Valfredda', ca 1120m. Die Gebäude entstanden im Zusammenhang mit dem Holzschlag, und stellen einen einstigen grossen Holzumschlagplatz dar. Jenseits der Ruinen setzt ein breites Wegtrassee an, das in Kürze zur ehemaligen Seilbahnstation führt. Anhand der noch sichtbaren Fundamente und Anlagen kann man folgendes feststellen: Die Seilbahn Nibbio - In la Piana besass hier eine Zwischenstation. Eine andere Seilbahn führte von hier nach Arca. Der Platz war für umfangreichen Materialumschlag ausgerüstet. Von oben mündet aus dem Bosco Grande die separat beschriebene Route über die Bocchetta del Bosco (P.1465). Dieser Pfad ist auf der Landeskarte von 1963 noch eingezeichnet. Nach unten beginnt sich über einen Rücken - ausgehend vom Fundament der Arca-Seilbahn - ein deutliches Trassee in Kehren gegen den Grund des Val Fredda abzusenken.

Alpe Valfredda
Blick von der 'Stazione Valfredda' in die Schlucht des Val Grande, rechts unten: Arca, 21. November 2004

Zunehmend steiler gelangt man bald erneut auf einen Rücken zwischen dem Val Fredda und einem Sekundärtobel, das aus der Nähe der Bocchetta del Bosco herabkommt. Sobald man eine flache Passage auf dem Rücken erreicht hat, biegt man links ab, und steigt gerade in den Grund des Sekundärtobels hinab, zum Schluss über einen sehr steilen, aber bewaldeten Hang (T5+). Durch den Tobelgrund, zumeist am orografisch linken Ufer des Baches steigt man bequem weiter ab. So erreicht man in Kürze die Vereinigung mit dem Rio Valfredda, der hier wenig ausgeprägt, aber über eine hohe Stufe als Wasserfall stürzend, in den Bach des Sekundärtobels mündet. Im Aufstieg ist dieser Stelle besondere Beachtung zu schenken, denn es ist sehr wichtig, den Wasserfall korrekt als den Rio Valfredda zu identifizieren, um nicht irrtümlich weiter das Sekundärtobel hinaufzusteigen.

Rio Valfredda
Der wenig markante abschliessende Wasserfall des Rio Valfredda

Wenig später erreicht man eine Ruine über dem linken Ufer und zwischen grossen Blöcken im Bachbett hindurchturnend, zuletzt auf der orografisch rechten Seite des Rio Valfredda den Zusammenfluss mit dem Rio Valfredda, genannt Lancone di Valfredda, 761m. Hier befindet sich ein guter, teilweise eingerichteter Biwakplatz.

In Lancone di Valfredda gilt es sich zu entscheiden, wo man weiter hinmöchte: Die schnellste Möglichkeit, in einfaches Gelände zu gelangen, ist der alte Schluchtpfad nach In la Piana. Es empfiehlt sich kaum, dem Rio Valgrande zu folgen, da dies äusserst zeitraubend ist, und mehrfache Flussdurchwatungen und heikle Ausweichmanöver in die Flanken erfordert, auch wenn die Autoren diverser Berichte hier andere Meinungen vertreten: Gleich nach dem Lancone di Valfredda - in Richtung In la Piana - würde eine fünffache Flussdurchquerung notwendig werden, danach folgt zwar einfacheres Terrain bis zur Lanca del Grup dla Sèca, doch nehmen dort die Schwierigkeiten wieder markant zu. Besser hält man sich an den alten Pfad: Vom Zusammenfluss lässt sich dieser aber wegen einer hohen Felswand nicht auf direkter Route erreichen. Man überquert zu dessen Erreichung daher den Rio beim Zusammenfluss zweimal und steigt etwa 70m horizontale Distanz durch das Flussbett (orografisch rechts) ab. Dort nimmt man am orografisch linken Hang einen offenbar einfach zu begehenden, wenn auch sehr steilen Hang wahr. Vor diesem Hang mündet ein steiles und felsiges Tobel. Man steigt nicht über diesen Hang auf, sondern benutzt den teilweise baumbestandenen Hang vor dem Tobel zum Aufstieg - nachdem man den Rio erneut gequert hat. Über sehr steiles, aber dennoch einfaches Gelände (T4+), gelangt man nach rund 60m Aufstieg unter felsige Passagen. Über eine Rampe ersteigt man ein erstes kleines Felsband von ca 5m Höhe. Darüber scheint zunächst das Weiterkommen schwierig oder gar unmöglich. Traversiert man jedoch einige Meter aufsteigend nach rechts, so trifft man überraschend auf den alten Schluchtpfad, den man deutlich höher im Hang vermuten würde. Der Pfad führt in gut zwei Stunden ohne weitere Probleme nach In la Piana.

Auch wer nach Arca weitermöchte, ist mit dem Pfad besser bedient, insbesondere unmitelbar vor der Arca müsste ansonsten der Fluss sehr aufwändig mehrfach gequert werden. Wer sich dennoch für die Flussroute interessiert, findet sie hier.

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Weitere Fotografien 2010


Weitere Fotografien 2004

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