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Val
Grande: Resistenza und Republik Ossola |
Die Partisanen hatten in den Bergen des Verbano drei Einheiten gebildet: Die VALDOSSOLA, die im Val Grande operierte; die CESARE BATTISTI, die zwischen dem Passo Folungo und Pian Vadà Stellung genommen hatte und die GIOVINE ITALIA, welche zwischen Miazzina und Pian Cavallone agierte. Insgesamt ware es 450-500 Partisanen, davon etwa 350 bewaffnet.
Die VALDOSSOLA entstand
aus einer kleinen Gruppe Männer aus dem unteren
Valle Antigorio, unter der Führung von Mario Muneghina, und einer Gruppe
junger Männer
um
Dionigi Superti. Die VALDOSSOLA erreichte schlussendlich eine Stärke von
300 Mann.
Superti wurde Kommandant und Muneghina, genannt Capitano Mario, Stellvertreter.
Dionigi Superti (1899-1968) war während des Ersten Weltkrieges Freiwilliger
bei den Alpini und den Luftstreitkräften, ausgezeichnet mit vier Tapferkeitsmedaillen.
Im Jahre 1919 trat er in die Partito Repubblicano ein und
wurde während des Faschismus mehrmals verhaftet. In den Jahren, die dem
Beginn der Resistenza vorangingen war er Direktor der Holzgesellschaft im oberen
Val Grande unter der IBAI (Industria Boschiva Alta Italia). Seine
Männer nannten ihn "Major", aber niemand wusste, welchen Rang
er
wirklich
hatte. Er wurde für seine Tapferkeit
und Loyalität berwundert und geliebt. Ihm war es wichtig, die Widerstandskräfte
der
Resistenza
bis zu einer alliierten Intervention möglichst zu schonen. Auf seinen Befehl
verlegte sich die VALDOSSOLA ins Val Grande, das er als kaum einnehmbar betrachtete.
Das Kommando befand sich in Orfalecchio, während seine Männer im ganzen
Tal verteilt waren. Mario Muneghina, genannt "Capitano Mario" war hingegen
Mitglied
der
kommunistischen Partei
PCI seit 1921. Seine Differenzen mit Superti
bestanden nicht
nur auf dem
Papier: Beispielsweise verliess er am 29. Mai 1944, zwei Wochen vor dem Rastrellamento,
mit rund 30 Mann der VALDOSSOLA das Quartier in den Monti di Velina um die faschistische
Einheit in Fondotoce anzugreifen und sich Waffen, Munition und Lebensmittel zu
verschaffen. Sie nahmen 45 Faschisten gefangen, während vier Getötete
und einige Verletzte zurückblieben.
![]() Dionigi Superti |
![]() Mario Muneghina |
Fotos: Casa della Resistenza Fondotoce
Die CESARE BATTISTI (70-80 Mann) wurde auf Initivative der drei Bersagliere-Unteroffiziere Arca (Armando Calzavara aus der Provinz Treviso), Marco (Giuseppe Perozzi aus Urbino) und Selva (Enzo Piazzotta aus der Provinz von Varese) im Valle Intrasca gegründet.
Die GIOVINE ITALIA begann
ihre Aktivitäten in der
Gegend von Miazzina. Ab März 1944 hatte der kommunistische Arbeiter Alfredo
Labadini aus Cremona, genannt Guido il Monco, die Führung. Zeitweise
benutzte die Einheit das Albergo in Pian Cavallone, doch die Kommandatur
befand sich im alten Rifugio. Ende Mai 1944 zählte die
Vereinigung mehr als 80 Mann. Im selben Monat traten zwei Alpini-Offiziere
der Vereinigung bei, nämlich der Verbanese Gaetano Garzoli (Rolando),
der
das Kommando übernahm und Mario Flaim aus Rovereto.
Am frühen Morgen des 10. Juni 1944 nehmen die Ereignisse des Rastrellamento
ihren Anfang, die in der Eliminierung der Partisaneneinheiten ihr trauriges
Ende nehmen sollen: Die Nazi-Einheiten, bestehend aus der deutschen 236.
Infanteriedivision unterstützt durch ein SS-Bataillon, zwei Bataillone
der Alpenjäger und die Batterien
der 105. und 149. Division; die faschistischen Einheiten Ettore Muti, italienische
SS, Leonessa und Tagliamento dringen in die Täler des Verbano und
Ossola und ins Cannobina und Vigezzo ein. Am Nachmittag des 11. Juni begab
sich dann eine
motorisierte
Kolonne Deutscher von Rovegro nach Cicogna. Im Tunnel vor der Ponte di
Casletto wurden sie von Partisanen aufgehalten, die den Platz verteidigten
und eine
Schiesserei begannen. Gegen Abend zogen sich die Deutschen zurück.
Der Zusammenstoss wiederholte sich am folgenden Vormittag. Zwei gepanzerte
Fahrzeuge
versuchten
die Brücke zu überqueren, wurden aber von den Partisanen aufgehalten. Ähnliche
Kämpfe ereigneten sich auch am Aquädukt der Mulattiera von Cossogna.
Unterdessen erreichte eine deutsche Einheit von Mergozzo kommend den Monte Faiè und griff Corte Buè an, das von Partisanen verteidigt wurde. Der Kampf verlagerte sich bald nach Ponte di Velina, wo es den Partisanen gelang, die Deutschen zu stoppen.
In Ponte di Casletto spitzte sich gegen Mittag die Situation zu: Die deutschen Einheiten zwangen die Partisanen zum Rückzug, überschritten die Brücke und begannen nach Cicogna anzusteigen. Die Häuser von Velina wurden mit Granaten und Maschinenpistolen von Corte Buè aus beschossen. Mario Muneghina beschloss den Rückzug ins Val Pogallo und sandte einen Boten zum Kommando in Orfalecchio. Superti war indessen abwesend, um in der Schweiz die Alliierten zu kontaktieren. Gegen Abend begannen die Partisanen der VALDOSSOLA (etwa 280 Mann) mit 50 Gefangenen von Orfalecchio nach Corte del Bosco zu steigen.
Am folgenden Vormittag
(nachdem man etwa 20 Gefangene in einem Stall zurückgelassen
hatte) setzte sich die Einheit erneut in Bewegung und bei Sonnenuntergang
befand man sich oberhalb der Alpe Prà, wo sie auf einzelne feindliche Kundschafter
stiessen. Die Deutschen, die zwischenzeitlich Cicogna eingenommen hatten,
nahmen sie unter Mörserbeschuss. Die Partisanen begannen, ohne ins Val
Pogallo abzusteigen, Richtung Alpe Brusà zu traversieren, wo sie die Nacht
verbrachten, nachdem der Älpler
von Busarasca sie nicht beherbergen wollte. Eine Gruppe von Männern wurde
nach Pogallo entsandt, um das Vorrücken der Deutschen zu überprüfen; auch
die Verwundeten wurden nach Pogallo geschickt: Von hier wurden sie in die noch
ruhige Zone von Pian Cavallone transportiert, wo sich die Männer der
GIOVINE ITALIA befanden.

Partisanen in Aktion
Foto: Casa della Resistenza Fondotoce
Unterdessen kehrte Superti am 12. nach Orfalecchio zurück und wurde von den wenigen Zurückgebliebenen über die Lage informiert. Der Kommandant rief die Männer von L'Arca und In la Piana zusammen (ungefähr 30 Mann) um nach Velina aufzubrechen, wo sie am Abend des 13. eintrafen. Von hier stiegen sie über Corte del Bosco nach Pogallo hinüber, wo sie am Abend des 14. anlangten. Superti wurde über die aktuelle Situation informiert. Er sendete daraufhin zwei Mann nach Alpe Brusà um Muneghina zum Abstieg nach Pogallo aufzufordern und ins Val Grande zurückzukehren. (Superti hatte mit den Alliierten eine Lebensmittel- und Waffenlieferung nach In la Piana vereinbart.) Muneghina, der von einer Patrouille darüber informiert wurde, dass sich im Valle Cannobina keine Feinde aufhalten und davon überzeugt war, dass das Val Grande zur Falle wird, weigerte sich Superti zu folgen: Die VALDOSSOLA zerfiel in zwei Gruppen.
Deutsche Flugzeuge schossen auf die Männer, die sich in den Wäldern von Brusà versteckt hielten. Dann verschlechterte sich das Wetter und die schlechte Sicht erlaubte den gefahrlosen Marsch über die Bocchetta di Terza ins Valle Cannobina. Es waren 200 Partisanen (ein Teil folgte hingegen Superti) und etwa 30 Gefangene: Am Abend des 15. Juni erreichten sie das Tal von Finero. Das Wetter war schlecht und die Situation dramatisch, weil die Deutschen das Tal bereits erreicht hatten und die Bevölkerung terrorisierten. Die Partisanen, die die Region nicht kannten, konnten keine Hilfe erwarten. Am Abend, bei klarem Himmel verfolgten die Männer von Muneghina einen Pfad. Einige konnten nicht mehr Schritt halten und eine Gruppe von 20-25 Mann fiel zurück. Sie wollten versuchen ins Val Grande zurückzukehren, in dem sie Scaredi überschreiten und das Val Portaiola absteigen.
Die Einheit von Muneghina
erreichte die Nähe von Finero. In Pian di Sale
trafen sie auf die Deutschen. Um 03:30 Uhr begann eine fürchterliche
Schlacht. Zum Schluss, bei verschlechterndem Wetter, ordnete Muneghina an,
die Truppe
zu zerstreuen,
um der feindlichen Jagd zu entgehen. Einige gelangten über die Schweizer
Grenze, andere wurden von den Deutschen getötet, wieder andere gefangengenommen.
Mario Muneghina erreichte mit 15 Mann die Alpe Polunnia im Valle Cannobina,
wo er erneut auf
die Deutschen traf. Für einige Tage versteckte sich das verbliebene
Grüppchen
von etwa zehn Mann im Bereich des Monte Torriggia und in den Felsen der
Rocce del Gridone. Am Abend des 20. erreichten sie die Alpen von Orasso,
wo sie
von einem Bauer aufgenommen wurden.

Partisanen-Kommandanten: Mario Muneghina (Mitte, der kleinste),
ganz
links: Aldo "Iso" Aniasi
(1921-2005), späterer Stadtpräsident von Mailand.
Foto: Casa della Resistenza Fondotoce
Die andere Gruppe versuchte derweil ins Val Grande zurückzugelangen, was wegen des massiven Aufgebots der Deutschen schwierig war. Am Abend des 18. kamen diese Männer unter der Cima di Laurasca an und versuchten nach Alpe Scaredi zu traversieren, aber auch dort befanden sich bereits die Deutschen. Und so versuchten sie im Regen auf die Bocchetta di Scaredi zu gelangen. Aber auch hier waren bereits die Feinde: Die Partisanen gaben auf. Sie wurden den Faschisten übergeben, zunächst nach Malesco, dann nach Intra transportiert, gefoltert und am 20. Juni 1944 in Fondotoce hingerichtet.
Am Vormittag des 15. Juni verliess Superti mit seiner Truppe (etwa 70-80 Mann) das obere Val Pogallo und erreichte am späten Nachmittag die Bocchetta di Campo. Am folgenden Vormittag stiegen sie nach Alpe Campo und Alpe Portaiola ab: Die Älpler informierten sie, dass bisher keine deutschen Truppen vorbeigekommen seien. Sie passierten In la Piana und erreichten die Arca bei Sonnenaufgang. Hier fanden sie ein deutsches Zigarettenpäckchen. Am Abend des 17. traf dann eine Patrouille der Partisanen auf die Deutschen. Superti ordnete den sofortigen Rückzug in die Rinne, die nach Ganna Grossa und gegen die Cima Pedùm führt, an. Auf 1800m kamen sie nicht weiter. Einer war verletzt. Es regnete. Sie blieben dort zwei Tage, während die Deutschen die Alpen des oberen Tals besetzten.
Am Abend des 20. wurden die Männer von Superti nervös: Das Gelände der Zone Gana Grossa ist äusserst heikel und weglos. Es hatte Nebel und sie konnten die Deutschen nicht sehen. Schliesslich gelangten sie erneut nach Alpe di Campo und nach Alpe Portaiola, wo der Fluss überquert werden sollte. Die Männer waren vor Müdigkeit und Hunger erschöpft. Plötzlich lichtete sich der Nebel. Die Deutschen, die sich in Alpe Portaiola befanden, sahen sie und begannen zu schiessen. Es war ein Gemetzel: Nicht weniger als 30 Partisanen starben. Die Überlebenden versuchten sich in den Wäldern zu verstecken.
Eine
Gruppe von neun Mann, geführt durch Mario Morandi und die Brüder
Alfonso und Bruno Vigorelli, stieg nach Alpe Riazzoli ab. Die Vigorelli-Brüder
waren Unteroffiziere der Infanterie. Sie trafen Superti in Lugano, wo ihr
Vater im Exil weilte, und sie ihm am 12.Juni ins Val Grande folgten. In der
Nähe der Alp stürzte Bruno Vigorelli ab und starb. Sie konnten
sich nur bei Nacht bewegen und
erreichten so bei Tagesanbruch des 22. Alpe Casarolo, wo der Älpler
Enrico Andreolotti von Colloro bereits
vier
weitere Männer, die
vor dem Gemetzel in Alpe Portaiola geflüchtet waren, aufgenommen
hatte. Doch die Deutschen fanden sie auch hier. Während drei flüchteten
und sich nach Colloro
retten konnten, ergaben sich die übrigen Partisanen. Sie wurden
auf der Stelle erschossen. Der zwölfjährige Hirtenjunge Silverio
Dinetti erreichte die Alp wenig später und fand zwischen den
Leichen einen noch Lebenden (wahrscheinlich Adolfo Vigorelli),
der ihn darum bat die Deutschen zurückzuholen um ihm den Gnadenschuss
zu geben. Der Junge tat wie ihm gesagt, und wenig später beendeten die
Deutschen auch das Leben des letzten Partisanen. Unter den Opfern fand sich
auch der Älpler,
der zunächst nach In la Piana gebracht und dort zu Tode geprügelt
wurde, und sein Bruder Giovanni, der in Casarolo eintraf, als die Exekution
im Gange war. Von
Supertis Einheit überlebten lediglich jene zehn bis zwölf Mann,
unter ihnen Superti selbst, welchen es gelang nach Alpe Crot zu flüchten
und dort am Ende ihrer Kräfte von den Älplern aus Premosello gefunden
wurden.

Alfonso, genannt Fofi, und Bruno Vigorelli
Foto: Casa della Resistenza Fondotoce
Am 13. Juni erreichten mit den Verwundeten aus Pogallo und deren Kameraden auch einige Informationen die Partisanen der GIOVINE ITALIA. Sie erhielten jedoch keinen vollständigen Überblick über die Lage. 14 Faschisten der Leonessa-Einheit stiessen von Miazzina her vor, wurden aber zurückgewiesen. Das gleiche widerfuhr einer deutschen Einheit unter dem Pizzo Pernice. Am 15. Juni verlagerten sich die Kämpfe zwischen die Colma und Pian Cavallone. Die Angriffe der Deutschen wurden drei Mal zurückgewiesen. Doch dann wurden die Partisanen vom Sportplatz in Intra aus mit Mörsergranaten beschossen, und das Schicksal wendete sich. Bei Einbruch der Nacht war die Schlacht zu Ende: Die Partisanen mussten sich zurückziehen. Flaim gelang nach Pian Vadà um Kontakt mit den CESARE BATTISTI aufzunehmen. Guido und andere Männer, unter ihnen Verwundete und Unbewaffnete, kehrten in den Talgrund zurück, um sich auf einen nächsten Zusammenstoss vorzubereiten. Rolando stieg mit wenigen anderen auf den Pizzo Marona um das weitere Vorwärtskommen der Deutschen zu verhindern.
Bei Sonnenaufgang des 16. verliess eine motorisierte deutsche Einheit den Colle, um entlang der Militärstrasse die Stellungen der CESARE BATTISTI in Pian Vadà zu erreichen. Arca, der Kommandant, konnte zwar noch die Verteidigung vorbereiten, doch waren die Deutschen in der Überzahl.
Eine deutsche Einheit marschierte,
von Pian Cavallone kommend, Richtung Pizzo Marona, wo sich nun Rolando und
wenige andere Männer der GIOVINE ITALIA
befanden. Der erste feindliche Angriff konnte abgewehrt werden. Dann trafen
die Mörsergeschütze
der Deutschen ein, aber auch dieser Angriff am Nachmittag wurde abgewehrt.
Am Abend traf Flaim von Pian Vadà kommend ein, und am nächsten
Morgen noch 17 Partisanen der
CESARE BATTISTI. Einige stiegen ins Val Marona hinab, die anderen blieben.
Es gab eine erneute Schlacht. Doch am Mittag war alles beendet. Die Kapelle
wurde gesprengt. Elf Leichen, darunter Mario Flaim, wurden später
unter dem Gipfel, auf der Seite des Val Pogallo, gefunden. Ihren Verletzungen
nach
zu urteilen,
wurden
sie
von den Deutschen lebend über die Gipfelfelsen hinabgestossen.

Maria Peron (1915-1976), "Krankenschwester der Partisanen", ab
1. Mai
1944 bei der VALDOSSOLA.
Sie nahm mit einfachsten Mitteln selbst chirurgische Eingriffe wie Amputationen
vor.
In jenen Tagen war sie auch die Ärztin des Val Grande und betreute die Älpler
und die Einwohner von Cicogna.
Foto: Casa della Resistenza Fondotoce
Auch in Pogallo spielte sich in diesen Tagen ein ähnliches Drama ab: Das grosse
Gebäude
der Holzgesellschaft beherbergte das deutsche Kommando. Hierher
wurden
zehn Partisanen
verschleppt,
die am 17.Juni
unterhalb
Alpe Baldesaut gefangengenommen wurden. Acht andere wurden zunächst in die
Nähe der Bocchetta di Campo gebracht. Am 18. wurden die ersten zehn Gefangenen
gezwungen vor dem Gebäude einen langen Graben auszuheben. Um 11 Uhr begann
die Eliminierung: Jeder Gefangene musste im Kommandobüro ein deutschsprachiges
Dokument unterzeichnen; dann wurde ein jeder von einem Soldaten angewiesen sich
an den Rand des Grabens zu stellen und sich auszuziehen. Das Erschiessungskommando
brachte auf diese Weise zunächst sechs Männer um. Danach war man kürzer
angebunden, und tötete kurzerhand alle 18 Partisanen.
Die Bilanz dieser Tage
ist tragisch: Unter den Partisanen gibt es ungefähr
300 Tote. 150-160 sind in Kämpfen gefallen; 152 wurden zwischen dem
17. und 27. Juni hingerichtet, nachdem sie in der Gefangenschaft gefoltert
wurden. Unter den Zivilisten gibt es sieben Opfer. Die Verluste der Feinde
beziffern sich auf 200-250 Tote und ungefähr gleich viele Verwundete.
Grosse Schäden gibt es auch an den Baulichkeiten: 208 Alphütten
wurden angezündet; 50 Häuser in Cicogna sind durch das deutsche
Bombardement zerstört
oder stark beschädigt; drei Rifugi (Bocchetta di Campo, Pian Cavallone
und Pian Vadà) sind zerstört und ein weiteres (Casa dell'Alpino
in Alpe Prà) stark
beschädigt. Das Rifugio Pian Cavallone wird nach dem Krieg wieder
aufgebaut, dasjenige auf der Bocchetta di Campo wird 1999 von der Nationalparkverwaltung
wieder hergerichtet. Das Albergo in Pian Cavallone wurde am 21. Mai 1944
durch
die Faschisten der Einheit Tagliamento vollständig zerstört und
nie wieder aufgebaut.
Die Ruinen von Uccigiola
Foto: Casa della Resistenza Fondotoce
Insgesamt wurden 152 gefangene Partisanen von den Deutschen
hingerichtet:
| Datum | Örtlichkeit | Opfer |
| 12. Juni 1944 | Rovegro | 1) Alberto Mazzola 2) William Scalabrino |
| 14. Juni 1944 | Migiandone | 1) Felice Cattaneo 2) Bartolomeo Oliaro 3) Remo Rabellotti 4) Edoardo Rossi |
| 16. Juni 1944 | Alpe Fornà | 1) Andrea Bottigelli 2) Ubaldo Cavallasca 3) Gian Franco Maceri 4) Antonio Motta 5) Guido Orlandi 6) Rolando Raimondi 7) Italo Visco |
| 17. Juni 1944 | Pizzo Marona | 1) Remo Barberi 2) Mario Brusca 3) Eliano Crespi 4) Mario Flaim (Kommandant GIOVINE ITALIA) 5) Gaetano "Rolando" Garzoli (Kommandant GIOVINE ITALIA) 6) Franco Guerra 7) Mario Nigiotti 8) Fulvio Zigliotti 9) unbekannt 10) unbekannt 11) unbekannt |
| 17. Juni 1944 | Aurano | 1) Felice Antoniazza 2) Giovanni Borotti 3) Antonio Colombo 4) Bruno Gussoni 5) Tommaso Pessina 6) Franco Pomice 7) unbekannt 8) unbekannt |
| 17. Juni 1944 | Ponte Casletto | 1) Pasquale Riveda 2) unbekannt |
| 18. Juni 1944 | Falmenta | 1) Emilio Benni 2) De Paoli Giovanni 3) Lupi Ausano 4) Perego Natale |
| 18. Juni 1944 | Pogallo | 1) Bruno Cerutti 2) Fausto Colombo 3) Giacomo Crippa 4) Italo Demari 5) Ives Garlando 6) Mario Gavitelli 7) Leonardo Griffino 8) Elio Maggioni 9) Luigi Novati 10) Celestino Nicolò 11) Carlo Rocca 12) unbekannt 13) unbekannt 14) unbekannt 15) unbekannt 16) unbekannt 17) unbekannt 18) unbekannt |
| 20. Juni 1944 | Fondotoce | 1) Giovanni Alberti 2) Giovanni Barelli 3) Carlo Antonio Beretta 4) Angelo Bizzozzero 5) Emilio Bonalumi 6) Giglio Battelli 7) Luigi Brioschi 8) Luigi Brown 9) Dante Capuzzo 10) Sergio Ciribì 11) Giuseppe Cocco 12) Adriano Corna 13) Achille Fabbro 14) Olivo Favaroni 15) Angelo Freguglia 16) Franco Ghiringhelli 17) Cosimo Guarneri 18) Giovanni La Ciacera 19) Franco Marchetti 20) Arturo Mezz'agora 21) Rodolfo Pellicelli 22) Giuseppe Perraro 23) Ezio Rizzato 24) Marino Rosa Aldo 25) Rossi 26) Carlo Sacchi 27) Cleonice Tomasetti 28) Renzo Villa 29) Giovanni Volpati 30) Frank Hellis 31) unbekannt 32) unbekannt 33) unbekannt 34) unbekannt 35) unbekannt 36) unbekannt 37) unbekannt 38) unbekannt 39) unbekannt 40) unbekannt 41) unbekannt 42) unbekannt |
| 21. Juni 1944 | Baveno | 1) Ettore Aielli 2) Antonio Buraschini 3) Aquilino Colombo 4) Pericle Tudescato 5) Ferruccio Valaguzza 6) G. Pietro Zaccaria 7) unbekannt 8) unbekannt 9) unbekannt 10) unbekannt 11) unbekannt 12) unbekannt 13) unbekannt 14) unbekannt 15) unbekannt 16) unbekannt 17) unbekannt |
| 22. Juni 1944 | Alpe Casarolo | 1) Gelindo Alimi 2) Enrico Andreoletti (Älpler Alpe Casarolo) 3) Giovanni Andreoletti (Älpler Alpe Casarolo) 4) Enrico Fovanna 5) Abele Iseni 6) Carlo Dettagliati 7) Marino Soldà 8) Adolfo "Fofi" Vigorelli 9) unbekannt 10) unbekannt 11) unbekannt |
| 23. Juni 1944 | Finero | 1) Mario Crescini Aloisi 2) Fiorentino Gallarati 3) Bruno Gerosa 4) Sebastiano Lauteri 5) Giorgio Longoni 6) Mario Martinelli 7) Olinto Pasetti 8) Serafino Paternoster 9) Pietro Pezzetti 10) Gaetano Ricci 11) Luciano Turati 12) Ugo Canotti 13) Giuseppe Ziliani 14) unbekannt 15) unbekannt |
| 24. Juni 1944 | Ponte Casletto | 1) Luigi Abbiati 2) Angelo Cristina |
| 27. Juni 1944 | Bèura-Cardezza | 1) Guerrino Aini 2) Cesare Badella 3) "Mamma" Teresa Binda 4) Francesco Femminis 5) Pierino Lamperti 6) Luigi Macchi 7) Otello Mapelli 8) Bruno Paperini 9) Carlo Sacchi |

Partisanen auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung in Fondotoce, 20. Juni 1944
Foto: Casa della Resistenza Fondotoce
Auf dem Foto: Die Gruppe der 43 Partisanen, die kurz darauf in Fondotoce
erschossen wurden. In den Kellern der Villa Caramora in Intra, wo sich
das SS-Kommando
befand,
wurden die während der Ereignisse gefangengenommenen Partisanen mit
grösster Brutalität misshandelt. Gegen 15 Uhr am 20. Juni mussten
sie in Kolonne über Intra, Pallanza und Suna nach Fondotoce marschieren.
Dort, am Kanal, der den Lago Maggiore mit dem Lago di Mergozzo verbindet,
wurden sie in Dreiergruppen erschossen. (Einer, Carlo Suzzi, überlebte
wundersamerweise, da er von den auf ihm liegenden Leichen geschützt
wurde.) Die einzige Frau der Gruppe, auf dem Foto in der ersten Reihe,
ist Cleonice Tomassetti,
gefangengenommen in Rovegro oder in Corte Buè. In ihren letzten
Stunden, im Horror der Keller der Villa Caramora belastet sie den Richter
Emilio Liguori,
Präsident des Gerichtes von Verbania. Er wird wegen seiner Kontakte
mit den Partisanen der VALDOSSOLA verhaftet und ins Gefängnis von
Turin gebracht, wo er jedoch bald wieder wegen seiner Verdienste um die
Stadt freigelassen
wird.
Nach Ende der Ereignisse des Rastrellamento, im Juli, finden sich die 40 Überlebenden der CESARE BATTISTI in Rocca di Scareno ein; diejenigen der GIOVINE ITALIA (60 Mann), geführt von Guido, installieren sich in Miazzina. Mario Muneghina, zurückgekehrt aus dem Val Cannobina, geht mit den Überlebenden der VALDOSSOLA erneut nach Velina. Dort trifft er auf Superti. Die Differenzen zwischen ihnen sind nun unüberwindbar, und Muneghina zieht die Konsequenzen: Mit rund 30 Mann zieht er in einer neuen Formation, der VALGRANDE MARTIRE davon. Superti hingegen geht mit anderen 30 Mann nach Alpe Crot um die VALDOSSOLA wiederaufzubauen und verschiedene Posten zu beziehen. Zum Monatsende geht die GIOVINE ITALIA in der VALGRANDE MARTIRE auf. Anfang August wird im Hinterland von Cannero auf Initiative der Mailänder Filippo Frassati und Nicola Lazzari auf monarchistischen Einfluss hin eine neue Einheit, die GIUSEPPE PEROTTI gebildet. Die VALGRANDE MARTIRE wird sich später als 85. Brigade an der Befreiung und Verteidigung der Freien Republik Ossola beteiligen.
Im August 1944 fordern die Partisanen der Brigaden VALDOSSOLA, BELTRAMI, PIAVE und VALTOCE die zwischenzeitlich an das Westufer des Lago Maggiore gedrängten Deutschen und Faschisten zur Aufgabe auf. Die Deutschen ergeben sich sofort und nach kurzer Zeit auch die wenigen Faschisten. Am 8. September 1944 wird das innere Valdossola, ausgenommen Domodossola, befreit. Die Monarchisten wollen die Stadt angreifen, während die Kommunisten zögern. Die endgültige Entscheidung trifft letztlich ein kämpferischer Priester, Don Luigi Zoppetti, der die Notwendigkeit unterstreicht sich für eine demokratische Republik einzusetzen, um einen Anstoss für die Befreiung ganz Italiens zu geben. Am 9. September 1944 veranlasst der Erzpriester von Domodossola, Don Luigi Pellanda, zur Vermeidung unnötigen Blutvergiessens eine Zusammenkunft zwischen den Deutschen und Faschisten einerseits und den Partisanenführern andererseits. Die Deutschen und Faschisten schlagen vor, Domodossola den Partisanen zu überlassen, wenn diese ihnen freien Abzug mit Waffen und Familien gewähren. Die Partisanen sind einverstanden unter der Bedingung, alle nicht in Deutschland produzierten Waffen zurückzulassen. Solche Übereinkünfte rufen indessen die Kommunisten auf den Plan. Am 10. September 1944 verlässt eine lange motorisierte Kolonne aus deutschen und faschistischen Militärs und Zivilisten Domodossola Richtung Süden, eskortiert von den Partisanen. Sie geraten in einen Hinterhalt der Kommunisten, bei dem auch 33 Partisanen den Tod finden.
Doch die Menschen in Domodossola sind begeistert und schwenken in den Strassen die Trikolore. Die Grenze zur Schweiz wird geöffnet, wo Journalisten aus aller Welt das Ereignis dokumentieren. Superti, Kommandant der VALDOSSOLA wird sofort mit der Bildung einer provisorischen Regierung beauftragt. In der Folge wird eine souveräne Regierung installiert, die die Gründung der Freien Republik Ossola proklamiert. Die kleine Republik hat ein Territorium von etwa 2000 Quadratkilometern und besteht aus 35 Gemeinden mit 85000 Einwohnern.
Viele haben innovative Pläne, die nun in einer wunderbaren Zeit verwirklicht werden sollen. Mit der Reorganisation des Schulwesens und der Justiz werden die überholten faschistischen Gesetze durch die neuen demokratischen Prinzipien ersetzt. In kurzer Zeit werden die neuen Minister nominiert, unter ihnen Gisella Floreanini, die erste Frau in Italien, die ein Regierungsamt bekleidet. Ausserdem wird ein Botschafter in Bern ernannt, Cipriano Facchinetti, nachdem die Schweiz die Republik anerkennt. Solche Entscheidungen missfallen dem CLNAI (Comitato Liberazione Nazionale Alta Italia), das am 12. September 1944 dem Kommandaten Superti eine Protestnote zustellt. Die Regierung der Republik Ossola lässt sich jedoch nicht beirren und erlässt Gesetz für Gesetz. Die Strassen werden umbenannt und in den Schulen wird eine Tafel mit den Namen verdienstvoller Lehrer wie Concetto Marchesi und Carlo Calcaterra aufgehängt. Die bewaffneten Carabinieri und die Guardia di Finanza werden aufgelöst und durch eine Guardia Nazionale ersetzt. Doch all diese und andere Anstrengungen sind wegen der knappen Mittel und den Differenzen innerhalb der Verwaltung nur von kurzer Dauer.
Es wird schnell deutlich, dass der Mangel an populären Gesichtern in der Verwaltung der wesentliche Fehler der Staatsgründer war. Darüberhinaus wurden die Vertretungen der kleinen Dörfer übergangen und diese fühlen sich nun unterrepräsentiert. Doch das wahre Problem ist vielmehr die mangelhafte Versorgung und die fehlenden finanziellen Mittel. Die extreme Armut Vieler lässt die verschiedenen Partisanenbewegungen wieder spriessen, welche von Anfang an darauf spezialisiert waren, reichere Gebiete zu okkupieren und dementsprechend gut organisiert sind. Dies führt rasch zu einer gefährlichen Konkurrenz mit den legitimierten Behörden. Die befreite Region stellt nicht nur für die Partisanen einen Anziehungspunkt dar, sondern auch für deren Familien und andere Zivilisten. Auch die Bauern folgen mit ihren Herden diesen Bewegungen. Dennoch werden die Lebensmittel immer knapper. In Domodossola mit seinen 14000 Einwohnern sind nach 10 Tagen nur 500 Liter Milch täglich verfügbar. Aus dem übrigen Italien trifft wegen der Blockade der Deutschen nicht ein Sack Mehl ein. Und aus der Schweiz transportieren die Züge Unmengen von Emigranten heran, aber keine Lebensmittel. Erst nach viel anfänglicher Zurückhaltung liefert die Eidgenossenschaft täglich 20 Tonnen Kartoffeln - zu einem hohen Preis. Sie werden mit Industrieprodukten der Region bezahlt.
Man
hofft auf die Ankunft der Angloamerikaner von Süden her. Doch stattdessen wird die Republik am 9. Oktober von
den Faschisten im Valle Cannobina angegriffen. Am 10. Oktober fällt
Finero in die Hände
der Faschisten, die mit 5000 Mann, drei Kanonen, fünf Panzern und zehn
gepanzerten Fahrzeugen vorrücken. Am Folgetag gerät der Kommandant
Alfredo Di Dio in der Bocche di Finero in einen Hinterhalt und wird getötet.
Die Einheiten VALDOSSOLA
und VALTOCE versuchen bis zum 13. Oktober das Val d'Ossola zu halten, müssen
aber letztlich - nach Kämpfen in Candoglia, Bèttola und Cuzzago
- dem andauernden Artilleriefeuer weichen. Nach 17 Uhr am 14. Oktober marschieren
die Faschisten
in Domodossola ein. Die Stadt ist halbzerstört. 35000 Menschen halten
sich hier jetzt auf, obwohl viele bereits nach Brig in die Schweiz geflüchtet
sind.
Die Partisanen
sind in drei Einheiten aufgesplittert, die sich nun im Val
Divedro, im Val Formazza und im Val Sesia befinden. Eine letzte Attacke der
Partisanen
findet
am 19. Oktober
statt, dabei werden einige Faschisten gefangengenommen. Mit dem Gegenangriff
der Faschisten vom 23. Oktober endet in der Gegend des Lago Kastel die kurze
bewegte Geschichte der Freien Republik Ossola. Letztlich bleiben lediglich
150 Partisanen übrig, die im Val Sesia Zuflucht finden, dort ihre Niederlage
aufarbeiten und sich erneut zusammenschliessen. Zwischen Ende 1944 und Anfang
1945 kehren zwei Partisaneneinheiten erneut ins Ossola zurück und kämpfen
dort bis zum Ende des Krieges.
Quellen
Casa
della Resistenza Fondotoce
Associazione Nazionale Partigiani
d'Italia ANPI
montagnavissuta.it
Nino Chiovini: I GIORNI DELLA SEMINA (Vangelista Editori, Milano 1995)
Nino Chiovini: MAL DI VALGRANDE (Tararà Edizioni, Verbania 2002)
Erminio Ferrari: IN VALGRANDA (Tararà Edizioni, Verbania 1996)
und andere Quellen des Internet