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Über das Val Grande
 



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Das Gebiet um den Rio Val Grande und das Val Pogallo wurde bis zum Zweiten Weltkrieg, wo im Jahre 1944 heftige Partisanenkämpfe stattfanden, intensiv für die Alp- und Forstwirtschaft genutzt, doch seither hat sich der Mensch mehr und mehr daraus zurückgezogen. Die letzte Alp (Serena) wurde 1969 aufgegeben. Insbesondere bis zur Gründung des Nationalparkes (1992) blieb das Gebiet weitgehend sich selbst überlassen.

Besonders in den Jahren von 1915 bis 1930 wurde um Pogallo und Orfalecchio intensiver Holzabbau betrieben. Zu diesem Zwecke wurden verschiedene, kühne Seilbahnkonstruktionen errichtet. Oftmals lassen sich von diesen Anlagen noch Ruinen finden.

Holzschlag in L'Arca
Holzschlag und Seilbahnen in L'Arca, Mai 1921
Foto aus: Teresio Valsesia, Val Grande Ultimo Paradiso

Aufgrund der tiefen Lage und der hohen Niederschlagsmengen weist die Gegend eine dichte Vegetation auf. Gleichzeitig ist das Gelände stellenweise stark zerklüftet und von eingefressenen Bachbetten durchzogen. Pfade, die nicht mehr unterhalten werden, sind unter diesen Umständen nach einigen Jahren nur noch schwierig aufzuspüren. Die Parkverwaltung beschränkt sich darauf, einige wenige Hauptrouten zu unterhalten und zu markieren. Deshalb sind Wanderungen im Nationalpark Val Grande orientierungstechnisch anspruchsvoll, sobald man sich von den wenigen markierten Routen oder von den Grathöhen entfernt. Die Verhältnisse sind allgemein anspruchsvoll. Abseits der markierten Pfade oder ausserhalb der Saison ist eine entsprechende physische und psychische Verfassung des Alpinisten unabdingbar. Eine vollständige und qualitative gute Ausrüstung ist obligatorisch. Wer die aufgezeigten Kriterien nicht erfüllen kann oder will, der bleibe dem Val Grande fern! Ferner kann das hintere Tal bei ungünstiger Witterung zur Falle werden, wie auch ein extern publizierter Tourbericht des Autors aufzeigt.

In einigen Zonen kommen relativ häufig Schlangen vor, darunter auch giftige Vipern. Da diese Tiere in der Regel vor den Schritten der Menschen flüchten, stellen sie keine grosse Gefahr dar. Einige grundlegende Informationen und Vorsichtsmassnahmen finden sich bei wanderweb.ch.

Es ist wichtig zu wissen, dass das Gebiet des Nationalparkes seit Jahrzehnten nicht mehr vollständig kartografisch aufgenommen wurde. Weil die Karte der Swisstopo (Blatt 285 Domodossola, Ausgabe 2001) auf den Werken der italienischen Topografen basiert, weist sie Pfade aus, die in der Realität weitgehend verschwunden sind. Für die Suche nach ehemaligen Routen sind insbesondere die Ausgabe von 1963 und die Karten des IGM aus den 1930er Jahren nützlich, die noch mehr Pfade darstellen.

2008 erschien bei Swisstopo eine neue Auflage der LK 285 mit verzeichneten Wanderwegen (LK 285 T). Für den Wanderer, der nicht von markierten Routen abweichen möchte, mag die Karte nützlich sein. Aus Sicht des Autors ist die Karte für den ambitionierten Valgrande-Alpinisten jedoch untauglich: Nebst sehr vielen Inkonsistenzen weist die Karte auch eine ganze Reihe von Fehlern auf. Vom Kauf ist aus Sicht von alpi-ticinesi.ch abzuraten.

Für den Wanderer, der sich nur auf sicheren oder markierten Pfaden bewegt, sind die Angaben von alpi-ticinesi.ch unbrauchbar. Auf dieser Site wird ausschliesslich auf sehr anspruchsvolle Touren abseits der üblichen Touristenwege eingegangen. Es sei in diesem Falle auf das sehr nützliche Wanderbuch Nationalpark Val Grande von Bernhard Herold Thelesklaf, erschienen 2008 im Rotpunktverlag verwiesen (ISBN 978-3-85869-369-3).

Im Park besteht keine Netzabdeckung durch Mobiltelefone. Im äussersten Notfall besteht auf der Alpe Mottàc die Möglichkeit SMS unter erschwerten Bedingungen abzusetzen, zum Beispiel an die Schweizer REGA unter +41 333 333 333, die gegebenfalls vermittelnd tätig wird. Man achte auf vollständige Angaben, insbesondere Standort, Personenzahl, Art des Notfalls und Absender.

Hier noch einige Literaturhinweise:

Paolo Crosa Lenz: Val Grande
Grossi Domodossola, 1996, ISBN 88-85407-43-9
Allgemeine Informationen und Wanderungen. Es gibt auch eine neuere Ausgabe.

Teresio Valsesia: Val Grande Ultimo Paradiso
Alberti Verbania, 1993, ISBN 88-7245-004-7
Viele allgemeine und historische Informationen und summarische Beschreibungen von Wanderungen.

Erminio Ferrari: Valgrande frontiera verde
Tarara Verbania, 2002
Viele allgemeine Informationen.

Daniele Barbaglia - Renato Cresta: Genti e luoghi di Valgrande
Alberti Verbania, 2002, ISBN 88-7245-099-3
Schöner Bildband mit Beschreibungen aller Alpen im Val Grande und Umgebung.

Nino Chiovini: Mal di Valgrande
Tarara Verbania, 2002, ISBN 88-86593-33-3
Geschichten von Alpwirtschaft und Partisanenkämpfen.

Loris Bonavia - Mauro Previdoli: Scialpinismo in Valdossola
Grossi Domodossola, 2001, ISBN 88-85407-73-0
Unter anderem Touren zum Monte Togano, Pizzo Tignolino und Pizzo Ragno.

Daneben sind in den Buchhandlungen von Domodossola und Verbania noch einige weitere Werke, insbesondere zu den Partisanenkämpfen, zu finden.

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